Lärmprobleme durch Windkraft?

Der emeritierte Physiker Dr. Wolfgang Hübner hat kürzlich die Zusammenhänge der Lärmentwicklung von Windkraftanlagen übersichtlich und allgemeinverständlich zusammengestellt.

Mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen wir seine Ausführungen, die sich zu 100% mit unseren Recherchen decken und laden dazu ein, der wirklich gute Zusammenfassung (Lesezeit unter 5 Minuten) Aufmerksamkeit zu widmen:

 

Die Frage der möglichen Beeinträchtigung von Mensch und Tier durch Schallimmissionen in der Nachbarschaft von Windanlagen erfordert eine Betrachtung nach physikalischen und medizinischen Gesichtspunkten.

Aus Sicht der Physik besteht Schall ganz einfach aus Druckschwankungen, die sich entweder in Luft oder in anderen Materialien ausbreiten. Druck ist bekanntlich Kraft pro Fläche, Druckschwankungen entsprechen somit wechselnden Kräften und können mit einfachsten Messgeräten erfasst werden. Trifft Schall auf eine Fläche wie unseren Körper, dann greifen dort messbare Kräfte an. Vibrieren diese Druckschwankungen 440 mal in der Sekunde, dann registriert unser Ohr den Ton A, wie wir ihn aus dem Musikunterricht kennen. Laufen wir an einem brummenden Trafohäuschen vorbei, dann vibriert dort die Luft 50 mal pro Sekunde.

Je höher nun der Druck dieser Druckschwankung ist, umso lauter empfinden wir den Schall. Genauso, wie wenn uns jemand fester auf die Haut drückt, empfinden wir das als stärker, drückt er zu fest, wird es zum Schmerz. Auch das Ohr meldet sich bei zu hohem Schalldruck mit Schmerz. Um den Schalldruck zu beschreiben, wurde die Einheit Dezibel (dB) in der Messtechnik eingeführt. Dies ist allerdings eine logarithmische Größe entsprechend Lp= 20 log (Gemessener Druck/Referenzdruck). Nimmt man an, 40 dB wäre der akzeptable Schalldruck, dann entsprechen 20 dB mehr bereits einem 10-fach höherem Schalldruck, 40 dB mehr = 100-fachem und 60 dB mehr = tausendfachem Druck!

Unser Ohr hört nur im Bereich von etwa 20 bis 20.000 Schwingungen in der Sekunde (=Frequenz; Messeinheit Hz), aber nicht bei jeder Frequenz gleich gut. Am besten hören wir bei etwa 1000 Druckänderungen pro Sekunde. Im Genehmigungsverfahren nach TA Lärm nutzt man diese selektive Empfindlichkeit des Ohrs. Dazu wurde die sogenannte A-Bewertung eingeführt. Bei dieser Bewertung werden alle Druck-Messwerte, die nicht bei 1000 Hz empfangen werden, durch Teilung mit einer Zahl reduziert.

Nun ist ein Windrad ein riesiger Schalldruckgenerator, der ohne Abschirmung in freier Natur steht. Den Mast kann man sich als eine Saite vorstellen. Wie bei einer riesigen Bassgeige regen die Rotorblätter bei jeder Passage am Mast (etwa ein Mal pro Sekunde) den Schallgenerator an. Zusätzlich erzeugen die Blätter selbst noch Schall, wie wir es von jedem kleinen Lüfter kennen. Die Besonderheit dieses „Musikinstruments“ besteht darin, dass es aufgrund seiner Größe in beträchtlichem Maß tiefe Töne abgibt und dies im Takt wie die Rotorblätter den Mast passieren, also ein tiefes und gleichförmiges wumm, wumm, wumm. Diese tiefen Töne werden sowohl weit über der Erdoberfläche in die Luft, als auch direkt in den Boden als Bodenwellen abgestrahlt. Sie breiten sich wenig gehindert viel weiter aus, als die von üblichen Schallquellen, so wie man von einer weit entfernten OpenAir-Veranstaltung die eigentliche Musik nicht hört, sondern nur noch die Bässe. Auch lassen sich diese tiefen Töne kaum durch schließen des Fensters reduzieren, denn sie werden über die Gebäudestruktur bis hin zum Kopfkissen des Schlafzimmers geleitet. Weiterhin können sich diese tiefen Töne bei bestimmten räumlichen Gegebenheiten aufschaukeln, so wie wir das vom Resonanzraum eines Musikinstruments kennen.

Wie erfolgt die Schallbewertung im Genehmigungsverfahren?
Nach TA Lärm und den zugehörenden Normen werden die gemessenen Druckschwankungen der tiefen Töne des Windrades besonders im Bereich von 1 bis 50 Hz sehr kräftig um bis zu 70 dB „heruntergerechnet“ oder sogar auf 0 gesetzt. Bildlich gesprochen, das Druckmessgerät zeigt z. B. 100 und mehr an, ins Messprotokoll wird aber nur 1 oder sogar 0 geschrieben. Zur Kenntlichmachung des „Runterrechnens“ versieht man dann den dB-Messwert mit einem Index A (dB A). Mit anderen Worten 40 dB A beim getakteten Brummton des Windrades entsprechen einem Schalldruck der viel, viel größer ist als 40 dB A bei einer Unterhaltung. Auf den gesamten Menschen wirkt jedoch der tatsächlich gemessene Druck, nicht die generierte dB-Zahl.

Das „Herunterrechnen“ hat natürlich einen Grund: Das menschliche Ohr ist bei tiefen Tönen weniger empfindlich und unter 20 Hz kann es nichts mehr detektieren. Mit anderen Worten, das Ohr allein wird im Genehmigungsverfahren als Maßstab genommen, ob der Schalldruck für den Menschen noch akzeptabel ist.

Unser Körper besitzt jedoch nicht nur das Ohr als druckempfindliches Sinnesorgan. Wer selbst schon einmal in einer Disko vor einem Tiefton-Lautsprecher stand, kennt das Gefühl, wie die Bässe die Lunge regelrecht zum Vibrieren anregen, ein unangenehmes Gefühl.
Eine Vielzahl von verschiedenen Drucksinneskörperchen (in der Fachsprache der Medizin „Barorezeptoren“) steuert zusammen mit anderen Sensoren unsere komplexen Körperfunktionen.

Beispielsweise wird unser Blutdruck permanent von diesen Rezeptoren erfasst. Abweichungen vom Soll-Druck werden dem zentralen Nervensystem gemeldet und lösen dort eine Reaktion aus, z.B. Erhöhung der Herzfrequenz zur Wiederherstellung des Soll-Druckes. Druckschwankungen können auch unser kompliziertes und feinmotoriges Gleichgewichtsorgan erreichen und dort Informationen für das
Nervensystem erzeugen. Möglicherweise täuschen so die niederfrequenten Druckwellen eine Bewegung vor, obwohl unsere anderen Sinnesorgane uns melden, dass wir in Ruhelage sind. Widersprüchliche Meldungen im Gehirn erzeugen so möglicherweise eine innere Unruhe. Bei bestimmten Föhnlagen, die mit Druckschwankungen im Minutenbereich verbunden sind, tritt Wetterfühligkeit auf.

Bekannt ist auch die Wirkung von nicht hörbarem tiefen Schall unter 20 Hz zur Angsterzeugung bei entsprechenden Kinofilmen. Hörbare tiefe Töne werden als bedrohlich empfunden, schließlich sprechen wir automatisch mit tiefer Stimme, wenn wir jemandem Angst einflößen wollen.

Bei der Wahrnehmung tiefer Frequenzen spielt auch die vorhandene Schallkulisse eine Rolle. In einer sonst ruhigen Umgebung, wie wir sie glücklicherweise in ländlichen Regionen haben, sind tiefe Töne auch unterhalb 40 dB A deutlich hörbar. So wird der zusätzlich von den Windrädern erzeugte gleichmäßig getaktete Schall intensiver wahrgenommen als in einem Stadtbereich mit einer gleichmäßigen Schallkulisse.

Die Frage ist somit, ob tieffrequente Schallwellen wie sie von Windrädern sehr wohl mit beachtlichen Druckamplituden erzeugt werden so groß sind, dass sie auf den Menschen mit seinen vielfältigen druckempfindlichen Sensoren auch über den „Schallempfänger Ohr“ hinaus schädigend wirken.

Gibt man in YouTube die beiden Worte „Windrad“ und „Schall“ ein, gelangt man zu einer Vielzahl von Berichten betroffener Anlieger von Windrädern. Viele Berichte wirken ehrlich und machen betroffen. Wie stark muss doch die Not von Menschen sein, wenn sie bereit sind, mit Ihrer Familie die Flucht vor den Windrädern anzutreten um eine neue Bleibe zu suchen. Die Betroffenen beschreiben übereinstimmend
die Besonderheiten dieses getakteten und tieftönigen Schallempfindens von dieser neuartigen Schallquelle „Windradriese“ in Form von innerer Unruhe, Schlafstörung und Angstgefühl. Die Befürworter von Windanlagen stellen dies in Abrede, sie verweisen auf ihre eigenen Studien, die Kritiker dagegen verweisen auf anderslautende Studien. Dazwischen stehen die betroffenen Anlieger von Windrädern.

Der Wertbeitrag der Windräder zur Energiewende ist umstritten, zumindest hat er nicht die Qualität, dass weiterhin Menschen in der Nachbarschaft von Windrädern einem Großversuch ausgesetzt werden, ob die von Windrädern ausgehenden tieffrequenten Schallwellen auf deren Gesundheit schädigend wirken.

Solange sich die Klagen von Anwohnern weiter mehren, ist das Vorsorgeprinzip einzufordern: Bis zur zweifelsfreien sachlichen Klärung der Schallwirkungen sollten Windrädern nur mit großem Sicherheitsabstand zur Wohnbebauung errichtet werden. Vielleicht sind wir in ein paar Jahren klüger, wie bei der Asbestproblematik. Damals hat man viel zu lang, viele Menschen dieser Gefahr ausgesetzt, bis der letzte Beweis erbracht wurde.

Die bayerische Abstandsregelung (Mindestabstand gleich 10-fache Höhe) dient offenbar diesem zu fordernden Vorsorgeprinzip.

Bad Wurzach, 14. Juli 2017

 

Einordnen kann und muss man anmerken, dass es in Deutschland weitaus größere Windparks gibt als das, was in Freden geplant war oder noch geplant ist. Die vergangenen Jahre zeigt allerdings, dass die Windkraftbranche keinerlei Interesse daran hat, sich an einer wissenschaftlichen Erforschung der Auswirkung von Infraschall (wie er durch moderne Windkraftanlage unbestritten erzeugt wird) zu beteiligen. Es wird versucht, das Problem auszusitzen. Wenn die Hersteller ein reines Gewissen haben und sicher sind, dass der menschliche Organismus nicht auf die abgegebenen Mengen von Infraschall reagiert, dann wäre es ein richtiger Schritt, die Forschung in diesem Bereich voranzutreiben. Stattdessen gibt es z.B. in Irland (Banteer, N. Cork) inzwischen einen Vergleich zwischen dem deutschen Hersteller und Enercon und den Anwohnern eines Windparks. Der dortige oerste Gerichtshof hatte bestätigt, dass Enercon die Familien mit seinen Windkraftwerken massiv beeinträchtigt. Spätestens jetzt müsste die Wichtigkeit einer neutralen Betrachtung des Themas Lärm bei Windkraftanlagen auch in Deutschland bekannt und für wichtig befunden werden. Zumindest Enercon kann in unseren Augen spätestens jetzt nicht mehr behaupten, „nichts gewusst zu haben“.

820.000 Euro Strafzinsen

Zur rechtzeitigen Auszahlung der EEG-Umlage an die Betreiber von Windkraft- und anderen Anlagen gibt es ein Sammelkonto, auf dem diese Umlage geparkt wird. Der Kontostand dieses Konto betrug z.B. im Juni 2017 um die 4.9 Milliarden Euro. Durch die Negativzinspolitik der EU führt das dazu, dass nur für Juni bereits 820.000 Euro an Strafzinsen gezahlt werden mussten.

Es sind also im Rahmen des EEG 820.000 Euro einfach so verpufft. Der Krippenanbau in Freden wäre damit z.B. bezahlbar gewesen, ebenso viele andere sinnvolle Projekte (auch zum Klimaschutz).

Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/oekostrom-umlage-strafzins-auf-eeg-milliarden/20066028.html

 

Es dreht sich…

Die neue Windkraftanlage in Eyershausen scheint am Netz – die Rotoren drehen sich. Zwei der alten Anlagen sind inzwischen bereits im Abbau. Im Rahmen des „Repowerings“ können alte Anlagen gegen neue Anlagen ersetzt werden. Der Rückbau ist daher meist eine notwendige Auflage im Rahmen des Genehmigungsverfahrens.

Der Standort dort gilt als deutlich sinnvoller als der „Auf der Marke“ direkt bei Freden. Aber ob die Bewohner von Eyershausen sich der Größe einer modernen Windkraftanlage bewusst waren, als es die Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung und Einwand gab, ist unwahrscheinlich.

Wie gut die Produktionszahlen für die neue Anlage ausfallen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht: Solange eine Speicherung überschüssig erzeugter Energie nicht gewährleistet werden kann, trägt auch die neue Anlage in Eyershausen nicht zu einer Reduktion von CO2 und damit einer echten Energiewende bei, sondern ist nur ein weiteres -sehr weit sichtbares- Zeichen einer immer noch fehlgesteuerten Energiewende in Deutschland.

800 Millionen Euro unnötige Kosten für fast 1% mehr CO2

Wie man eine Energiewende nicht sinnvoll gestaltet, zeigt Deutschland einmal mehr (ARD-Bericht): Die Verbraucher haben auch im Jahr 2016 mehrere hundertmillionen Euro für die Überproduktion bzw. Überkapazität an erneuerbaren Energien bezahlt. Insgesamt 800 Millionen Euro wurden auf die Stromkunden umgelegt, weil der theoretisch erzeugbare Strom nicht von den Netzen aufgenommen werden konnte.

Das zeigt in der Praxis einmal mehr, dass das gerne genutzte Rechenbeispiel „diese Anlage kann ein Dorf/eine Stadt wie XY mit Strom versorgen“ weiterhin eine Augenwischerei und technisch nicht haltbar ist.

Die Überkapazität im Norden und der eigentliche Stromverbrauch im Süden führt dazu, dass im Süden Deutschlands weiterhin Kohlekraftwerke (eigentlich) unnötig laufen, um den dortigen erhöhten Strombedarf zu decken. Auch das führt dazu, dass der CO2-Ausstoß in Deutschland im Jahr 2016 erneut um fast 1% gestiegen ist, statt -wie als Ziel der Energiewende definiert- zu sinken. Mit Klimaschutz hat das auch 16 Jahre nach dem Start der Energiewende wenig zu tun.

Ziel der Energiewende sollte sein, den CO2-Ausstoß zu verringern, versprochen war zudem, dass die Energiewende jeden durchschnittlichen Haushalt „nicht mehr im Monat kostet als eine Kugel Eis“ (Jürgen Trittin / Grüne, Bundesumweltminister 2004).

Nach einer Berechnung am Institut für Wirtschaftsökonomik (Uni Düsseldorf; 2015) werden die Gesamtkosten der zur Zeit politisch vertretenen Energiewende bis zum Jahr 2025 bei 520 Milliarden (520.000.000.000) Euro liegen – schon heute sind es etwa 125 Millarden Euro alleine für die EEG-Umlage. Eine vierköpfige Familie wird dann über 25.000€ für die Energiewende bezahlt haben – das sind sehr teure Kugeln Eis.

Und das eigentliche Ziel der „Energiewende“ wird weiterhin verfehlt. Die BI DIALOG|WINDKRAFT (und viele andere Verbände) weisen seit Jahren darauf hin, dass der eingeschlagene Weg in die falsche Richtung läuft. Subventionen (wie EEG) müssen zunächst in die Erforschung von Speicherkapazitäten und den Ausbau von Netzen fließen. Erst dann darf der weitere Ausbau mit Kraftwerken (z.B. Windkraftanlagen) wieder in den Fokus genommen werden. Vor allem nach dem der Start der Energiewende schon 16 Jahre zurück liegt, stellt sich die Frage, weshalb nicht das vorliegende Zahlenmaterial neutral bewertet und an den richtigen Stellen nachjustiert wird, wenn wirklich die Einsparung von CO2 das oberste Ziel dieser Politik sein sollte.

Die aktuelle Energiewende ist und bleibt ein reines Subventionsprogramm vorrangig für die Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen. Und sie geht auf Kosten der Bürger, die durch den massiven Zubau der überdimmensional großen Anlagen einen Teil der Lebensqualität besonders im ländlichen Raum verlieren. Vor allem aber blockiert sie durch falsche Marktanreize auch die sinnvolle Erforschung von Techniken, die eine wirkliche Energiewende als Grundlage haben müsste.

Quellen:

Störende Höhen?

Wie dicht dürften Windkraftanlagen an die Wohnbebauung heran reichen? In einer interessanten (und sinnvollen) Urteilsbegründung vertritt das Verwaltungsgericht Freiburg die Auffassung, dass nicht die Höhe der Anlage, sondern die überstrichene Fläche der Rotoren die eigentliche Störquelle sind. Der oft propagierte Leitsatz „2H“ (also doppelte Anlagenhöhe als Mindestabstand) wird damit in Frage gestellt.

Das Verwaltungsgericht führt weiterhin aus, dass auch beim Bau auf einer Anhöhe die erhöhte Bebauung zusätzlich in die Prüfung einzubeziehen ist. Der Beschluss wird nun in weiteren Instanzen zu prüfen sein, er hat in jedem Fall aber schon jetzt eine wichtige Signalwirkung hin zu einer sauberen und gleichberechtigten Abwägung von Schutzinteressen.

Die Anlage „Freden 1“ steht auf einer Höhe von 162 m NN. Meimerhausen liegt auf 96 m NN (also 66 Meter tiefer). Zusammen mit der Anlagenhöhe befindet sich die Narbe der Anlage also in einer Höhe von über 200 Metern und die oberen Rotorspitzen auf 262 Metern Höhe. Die Rotoren überstreichen dabei eine Fläche von 9.852 m² (PI*r² bei r=56).

LINK | http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?quelle=jlink&docid=MWRE170005265&psml=bsbawueprod.psml&max=true&doc.part=L&doc.norm=all

Gemeinderat nimmt Punkt von der Tagesordnung

Der Gemeinderat hat den Tagesordnungspunkt 28 (den abschließenden Beschluss zur 10. Änderung des Flächennutzungsplans) von der Tagesordnung der Ratssitzung am 29.03. genommen. 7 von 13 stimmberechtigten Ratsleuten stimmten für die Absetzung.

Die BI begrüßt diese Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt. In unseren Augen fehlt dem aktuellen Umweltbericht auf Grund der belegten Vergrämungsversuche des Rotmilans im Frühjahr 2016 die Substanz. Über eine Änderung sollte in unseren Augen erst endgültig beschlossen werden, wenn der Umweltbericht auch in Bezug auf den Rotmilan auf einer objektiven Beobachtung beruhen kann.

Finaler Beschluss der F-Planung/Windenergie für 29.03.2017 geplant

Laut Aushang am Rathaus (leider nicht unter freden.de bei den Sitzungsterminen zu finden) steht am 29. März die 10. Änderung des Flächennutzungsplans letztmalig auf der Tagesordnung im Fredener Gemeinderat.

Nach dem alle öffentlichen Beteiligungsverfahren abgeschlossen sind, sind die Mitglieder des Rats aufgefordert, die Einwände der Träger öffentlicher Belange und Fredener Bürger, sowie deren Abwägung durch das beauftrage Planungsbüro Keller, für sich zu bewerten und verantwortungsvoll im Sinne der Gemeinde abzustimmen.

Wir hoffen darauf, dass unsere gewählten Vertreter im Rat die umfangreichen Unterlagen (alleine Planung und Umweltbericht hatten bei der ersten Auslegung bereits über 60 Seiten) vor ihrer Abstimmung wirklich durcharbeiten und vorbereitet in diese wichtige Abstimmung gehen. Vor allem sollten Sie allen Bürgerinnen und Bürgern in der Sitzung bzw. auch danach Rede und Antwort zu ihrer Entscheidung stehen können.

Die Sitzung findet am Mittwoch, 29. März um 19:00 Uhr im Hotel Steinhoff statt.

An Ratssitzungen kann jeder Bürger teilnehmen (alle Beschlüsse zu Windenergie wurden nach unserer Kenntnis bisher im öffentlichen Teil der Sitzungen gefasst). In der Vergangenheit bot der Rat im Vorfeld wichtiger Abstimmungen zudem allen Besuchern die Möglichkeit, weitere Fragen zu stellen und Hinweise an die Mitglieder zu geben.

 

Treffen mit Bürgermeister

Am 07.03. haben sich Vertreter der BI mit dem Fredener Bürgermeister Heimann zu einem Austausch getroffen. In entspannter Atmosphäre wurden Eindrücke und Standpunkte rund um die Energiewende ausgetauscht.

Herr Heimann wies im Rahmen des Gesprächs noch einmal darauf hin, dass er sich als Bürgermeister stets neutral -auch zu energiepolitischen Themen- verhält, aber für eine große Transparenz behördlicher Abläufe steht. Dazu zählt auch die Einführung eines Rats-Informationssystems, in dem Bürger sich über aktuelle Themen und Beschlüsse der Räte in der Einheitsgemeinde informieren können.

Die BI begrüßt diesen wichtigen Schritt und dankt Herrn Heimann für das interessante Gespräch.

Südlink meidet Freden

Tennet als Planer der Südlink-Trasse hat am 07.03.2017 seine neue Korridorplanung vorgestellt. Priorität hat nun die Ost-Trasse, die an der A7 bei Seesen verläuft. Nur noch als Alternative wird ein Trassenverlauf an der B3 (Delligsen, Varrigsen, Ammensen, Stroit) benannt. Die als Varianten 62/63 benannten Teilstücke bei Ohlenrode stehen nicht mehr im Fokus und werden nur noch als „weitere Korridore“ geführt.

Südlink wird notwendig, da es im Norden keine Abnehmer für Strom aus dem massiven Zubau von Windkraftanlagen gibt. Der Strom muss daher in den Süden transportiert werden. Hierzu gibt es bislang keine Infrastruktur, Südlink soll das ändern.

Dazu wird auch ein Leistungsverlust von mindestens 10% in Kauf genommen. Wird im Norden 1000 kWh an Strom eingespeist, werden über die Strecke ca. 100 kWh ungenutzt in Wärme umgewandelt und nur 900 kWh kommen am Ziel an. Würde die Energie in der Nähe der Verbraucher erzeugt, könnten diese 10% Verlust deutlich reduziert werden.

Live-Map zur Stromerzeugung

Wo kommt unser Strom in diesem Moment her? Wie viel CO2 stößt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der EU in diesem Moment aus? Einen tollen Live-Überblick liefert das Projekt „ElectricityMap“. Auf einer Karte ist live zu sehen, welche CO2-Emissionen durch die aktuelle Stromproduktion entstehen und welche Länder überschüssigen Strom in anderen Länder exportieren. Zuschaltbar sind zudem Windströmungen und die aktuelle Bewölkung/Sonnenschein.

Der interessante Liveblick findet sich hier: https://electricitymap.tmrow.co

Beim Verfassen dieses Artikels (19.01.2017 / 11:10 Uhr) gehört Deutschland z.B. mit einem ungefähren CO2-Ausstoß von 520g/kWh zu den traurigen Spitzenreitern in Europa. Das liegt vor allem auch daran, dass in diesem Moment 49% des Stromangebots aus Kohlekraft gewonnen werden. Windkraft erzeugt gerade einmal 5,41GW an Leistung, das entspricht 8% der in Deutschland installierten Windkraftleistung. Dennoch kommt es zu einem Stromexport. Aktuell werden z.B. 1,07GW an Österreich, 2GW an die Schweiz, je um 1GW an die Tschechei + Niederlande und 60MW an Frankreich exportiert. Es kommt also wieder zu einer Überpoduktion und damit in der Regel auch zu einem Fall der Börsenpreise für Strom. Oft zahlt Deutschland (bzw. der Stromkunde) in diesen Situationen zunächst die deutlich teureren EEG-Strom an die Anlagenbetreiber und im Anschluss noch einmal an die Abnehmer für die Entsorgung der Überproduktion. Absurd wird es dann, wenn Wind- und Sonne ausbleiben und im Netz zu wenig Strom wäre. Dann wird der vorher entsorgte Strom zurückgekauft – in diesem Moment hat der Stromkunde ihn drei Mal (Erzeugung, Entsorgung, Rückkauf) bezahlt. Auch hier zeigt sich wieder, dass die aktuelle Energiepolitik an einer echten Energiewende und vor allem am Markt vorbei geplant und bis heute verteidigt wird.