Rotmilan im Sinkflug – Geschützte Greifvögel in Gefahr

Die ersten Rotmilane sind aus ihrem Winterquartier zurück. Vor kurzem wurden bei uns wieder diese schönen Greifvögel gesichtet. Und die erste Rotmilansichtung erreichte uns aus Freden. Mittlerweile sind daraus schon mehrere Sichtungen geworden, so dass wir auf ein erfolgreiches Brutjahr hoffen. Nach der verregneten letzten Saison würde es der örtlichen Rotmilan-Population sehr gut tun.

Um so wichtiger ist es jetzt wieder gemeinsam für den Schutz der Rotmilane einzustehen!

Insbesondere in Anbetracht der bisherigen Ereignisse. Wie bekannt wurden im Frühjahr 2016 massive Störungen eines Rotmilanhorstes beobachtet, z.T. auch gehört und von verschiedenen Personen an uns gemeldet. Entsprechend groß ist auch 2018 unsere Verantwortung für die Rotmilane, welche unter Naturschutz stehen*.

Die geschützten Tiere kehren in der Regel ab Februar in die Reviere zurück und beginnen ab März mit der Balz. Ende März/Anfang April beginnen die Weibchen dann mit der Brut. Daher ist es wichtig, sich vor allem im April und Anfang Mai an Waldrändern ruhig zu verhalten. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die brütenden Vögel aufgescheucht werden, was für die Tiere einerseits sehr viel Energie kostet und andererseits die Eier auskühlen lässt. Das würde den Tod der noch nicht geschlüpften Rotmilanküken bedeuten – besonders bei noch sehr niedrigen Temperaturen. Unsere lokale Population kann dadurch extrem gefährdet werden.

Der Rotmilan ist bei Windkraftprojekten oft ein Hindernis oder sogar ein KO-Kriterium, wenn sich ein Horst näher als 1.500 m am geplanten Standort einer Windkraftanlage befindet*. Aber auch der Flugkorridor zum Horst oder sogar das Nahrungshabitat, in dem der Rotmilan oder andere Greifvögel ihre Beute jagen, kann für einen Projektierer von Windkraftanlagen ungünstig liegen. Vor diesem Hintergrund ist schon oft ein Horst plötzlich „verschwunden“.

Anstatt die Horste zu zerstören, werden häufig in Kenntnis des obigen Sachverhaltes Horstbäume auch einfach und unauffällig schlicht „abgeklopft“. Das Abklopfen des Horstbaumes ist eine gängige Methode, um den brütenden Vogel zum Abflug vom Horst zu bewegen. Ziel des Störenden ist es, dass der Altvogel nicht wieder zum Horst zurückkehrt und die Eier erkalten. Frische Schlagspuren sind meist deutlich z.B. durch Abdrücke von Metallstangen in der Rinde, Trittspuren oder Reste von Fasern genutzter Äste zu erkennen. Selbst Trampelpfade durch häufiges Besuchen des Horstbaums lassen sich oftmals ausmachen.*

Nicht nur die Zerstörung von Rotmilan-Horsten im Rahmen der Planung von Windkraftanlagen, sondern auch das Stören und erst recht das vorsätzliche Stören von Greifvögeln stellt eine Straftat dar, die mit bis zu 5 Jahren Gefängnis und/oder bis zu 50.000 € Geldstrafe geahndet werden kann!* Schon das mutwillige häufige Befahren von Waldwegen in der Nähe von Greifvogelhorsten kann übrigens bei Sachkenntnis als strafbarer Tatbestand angesehen werden.

Bei Verdacht auf eine illegale Verfolgung von Greifvögeln sollte daher sofort die Polizei direkt eingeschaltet und zusätzlich ein entsprechender Naturschutzverband  informiert werden. Wir empfehlen hier den „Ornithologischen Verein zu Hildesheim“ (OVH) in dem auch der in Freden bekannte Vogelexperte Mr. Alistair Hill aktives Vorstandsmitglied ist. Gerne nehmen natürlich auch wir als BI Informationen entgegen, prüfen sie und leiten sie entsprechend weiter.

Trotz all diesen Gefahren drücken wir dem Rotmilan die Daumen für eine erfolgreiche und ungestörte Aufzucht der Jungen. Da es zwischen Wispenstein und Freden nach wie vor Planungen zu weiteren Mega-Windkraftanlagen gibt, sollten wir alle gerade jetzt besonders wachsam sein.

In diesem Zusammenhang möchten wir gern nochmal auf unseren letzten Artikel hinweisen. „Augen auf für den Rotmilan“

Quelle: https://www.leineblitz.de/aktuelles/datum/2018/03/16/rotmilan-erfassung-im-landkreis-hildesheim/ (stand auch in der Kehrwieder am Sonntag vom 19.03.2018)


Weitere Quellen zu unserem Artikel

Informationen zum Schutzstatus von Vögeln gibt die
WISIA-Datenbank des Bundesamts für Naturschutz:

Informationen zum Bestand des Rotmilans:
Artikel zum Rotmilan auf WIKIPEDIA

Die PROGRESS-Studie und Begleitmaterial:
http://bioconsult-sh.de/de/projekte/progress/

Anzahl installierter Windkraftanlagen Ende 2017 auf der offiziellen Seite des Bundesverbands Windenergie: https://www.wind-energie.de/infocenter/statistiken/deutschland/windenergieanlagen-deutschland

Empfohlene Abstände von Horsten zu Windkraftanlagen im „Helgoländer Papier“ der „Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten“:
http://www.vogelschutzwarten.de/windenergie.htm
(Download für Niedersachsen im unteren Teil der Seite)

Bestände und Rückgänge des Greifvogelbestands, Straftatbestände:
http://www.greifvogelverfolgung.de/content/leitfaden-greifvogelverfolgung
http://www.greifvogelverfolgung.de/content/veroeffentlichungen

Rotmilan als Hindernis für den Windkraftausbau:
https://www.nabu.de/news/2015/12/19931.html
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/energie/erneuerbare-energien-energiewende/windenergie/06358.html

Fotos von Rotmilanen (im Artikel nicht genutzt)
http://www.brodowski-fotografie.de/beobachtungen/rotmilan-bilder.html