23.09.2016: Kirchenland für Windkraftanlage “Freden 2”?

Zum 23.09.2016 lädt der Kirchenvorstand St. Georg sehr kurzfristig zu einer Gemeindeversammlung  ein (Freitag, 19:30 Uhr Gemeindehaus). Die Einladung wurde dabei mit nur einer Woche Vorlauf am 15.09. und nur über die Alfelder Zeitung (nicht aber über den Gemeindebrief oder das Fredener Mitteilungsblatt) ausgesprochen. Der Kirchenvorstand möchte nun im Eilverfahren entscheiden.

Eingeladen sind alle interessierten Bürger, auch wenn sie nicht zur Kirchengemeinde St. Georg oder Gemeinde Freden gehören. Sie erfolgt auf Empfehlung der Superintendentin und soll Bürgern die Möglichkeit geben, Fragen zum Projekt zu stellen. Anschließend dürfen Mitglieder der Kirchengemeinde ein Stimmungsbild abgeben, das aber nicht bindend ist. Der Kirchenvorstand lässt sich bereits vorab intern vom Projektierer über das Projekt informieren. Eine Anfrage der Bürgerinitiative zu einer Vorabvorstellung möglicher Risiken und Probleme bei diesem Projekt wurde vom Kirchenvorstand über Pastorin Horn leider abgelehnt.

Angesichts der großen Probleme mit “Freden 1” sollte die Abstimmung negativ ausfallen, aber bereits im Vorfeld dürfen die Projektierer den Kirchenvorstand ihr Projekt schmackhaft machen. Wünschenswert wäre, dass eine so wichtige Entscheidung nicht über’s Knie gebrochen wird, sondern sachlich und mit Bedacht neutral abgewogen würde.

Es ist daher nun wichtig, dass auch Sie und Ihr am 23.09. in St. Georg dabei seid und Ihre/Eure Meinung zu weiteren Windkraftanlagen auf der Marke erklärt. Wer keine Zeit hat, sollte auf jeden Fall eine Mail an den Kirchenvorstand schreiben, die offizielle Mailaadresse ist von Pastorin Horn als 1. Vorsitzende ist petra.horn@evlka.de , Mails gerne auch in Kopie an info@dialogwindkraft.de senden.

Nach unserem Kenntnisstand würde die Windkraftanlage “Freden2” nur wenige Meter neben der Kreisstraße errichtet werden. Ein rotes Blinken in der Nacht und Rotoren mit bis zu 380km/h Geschwindigkeit führen in unseren Augen zu einer Ablenkung der Verkehrsteilnehmer. Aus diesem Grund werden in anderen Bundesländern Abstandsempfehlungen von 100 Metern (Mecklenburg Vorpommern), 130 Metern (Schleswig Holstein) und sogar 200 Metern in Sachsen-Anhalt zu Kreisstraßen ausgesprochen. Das Land Niedersachen hinkt hier hinterher. Der Freistaat Sachsen hat unter Drucksache 206/14 einen Gesetzesentwurf in den Bundesrat eingebracht, nachdem zumindest die Kipphöhe der Anlage als Sicherheitsabstand zu Verkehrswegen eingehalten werden sollte. Im Falle von “Freden 2” wären das voraussichtlich 196 Meter (auf den Turm bezogen).

Es ist daher wichtig, dass nicht nur Windkraftbefürworter verschwörerische Versprechen machen, sondern auch Kritiker sich zu Wort melden und gehört werden. Am 23.09. ist dazu eine wichtige Gelegenheit, zudem besteht die Möglichkeit, die genauen Planungen der Projektierer auf der Marke besser kennen zu lernen.

Nutzen Sie diese Chance und beziehen Sie Stellung. Die BI wird selbstverständlich ebenfalls am 23.09. vor Ort sein, darf sich allerdings nur aus dem Plenum heraus beteiligen.

 

 

“Viel Energie für wenig”

weende31082016Am 31. August luden Oliver Carstens (Stadtmagazin “City Today”; Hildesheim) und die “Friedrich Naumann Stiftung” zu einem Vortragsabend rund um die Energiewende in die Festhalle Weende (bei Göttingen). Über 150 Teilnehmer informierten sich über aktuelle Entwicklungen und Auswertungen rund um die Energiewende mit einem Fokus auf Windenergie.

An Hand offizieller Zahlen und Statistiken (z.B. BMWI) wurden die bisher erreichten und auch verfehlten Ziele der Energiewende beleuchtet. Dr. Thomas C. Stiller (AEFIS) berichtete zudem über den aktuellen Informationsstand rund um die Thematik “Infraschall”.

Die BI DIALOG|WINDKRAFT war ebenfalls als Teilnehmer vor Ort. Zwar wurde in Göttingen (für uns) nichts neues berichtet, aber wir begrüßen die übersichtliche und allgemeinverständliche Aufbereitung des Zahlenmaterials.

Veranstaltungen wie diese zeigen deutlich, dass ein intensiverer Austausch zum Verlauf der aktuellen “Energiewende” (die eigentlich nur als Stromwende konzeptioniert ist) zwischen allen Akteuren wichtiger denn je ist. “Energiewende” ist nicht nur schwarz und weiß. Sie ist nicht “bist Du gegen die aktuelle Energiewende, dann bist Du für Atomkraft”.

Viel mehr hat ein komplexes Vorhaben auf Basis von Daten und Anforderungen aus dem Jahr 2000 auch heute noch Bestand. Die wenigen Anpassungen über die Jahre bilden 16 Jahre nach ihrem Beginn nicht mehr die Realität ab. Daher ist es in unseren Augen unabdingbar, ergebnisoffen über das Thema “Energiewende” zu sprechen und mehr Qualtität (statt Quantität) umzusetzen.

Stillstand: 1 Jahr

Nach aktuellen Berichten in der Alfelder Zeitung und Hildesheimer Allgemeinen Zeitung wird die Windkraftanlage auf der noch mindestens vier Monate still stehen. Es gelingt dem Hersteller nach Auskunft von Volker Zündorf (ÜWL/WEL – Betreiber) nicht, die benötigten Kräne für die Reparatur zu organisieren.

Gelingt die Reparatur im ersten Quartal 2017, dann wird die Anlage “Freden 1” letztendlich bis zu einem Jahr still gestanden haben. Sie steht bereits seit Februar 2016.

Zweite Auslegung zur Änderung des Flächennutzungsplans

Die eigentlich schon für das letzte Jahr erwartete zweite öffentliche Beteiligung zur 10. Änderung des Flächennutzungsplans auf der Marke (und Eyershausen) findet nun vom 30.08. bis 30.09.2016 statt.

Bereits bei der ersten öffentlichen Beteiligung waren über 20 z.T. vielseitige Einwände von Bürgern, Behörden und Verbänden zu verschiedenen Themen eingegangen. Nachdem sich später gezeigt hatte, dass die damals beantragten Flächen doch nicht ausreichend geeignet waren, musste nachgebessert werden.

Der neuen Planungsstand unter Berücksichtigung der bisherigen Einwände kann ab dem 30.08. im Rathaus eingesehen werden. Es besteht damit auch erneut die Möglichkeit, Einwände vorzubringen.

Wir stellen weiterhin die Frage, wie sinnvoll es ist, die Marke als Windindustriegebiet auszuweisen. “Freden 1” steht bereits seit über sechs Monaten still, Vorkommen des Rotmilans und Mäusebussards sind unbestritten und die Sinnhaftigkeit des Baus weiterer Windkraftanlagen vor dem Ausbau der Netze und ausreichenden Speichertechniken ist bundesweit immer stärker umstritten.

Wir laden daher alle interessierten Bürger (auch Befürworter der Anlagen) dazu ein, sich selbst ein Bild der Planungen zu machen und ggf. im Rahmen der Bürgerbeteiligung einzubringen.

Runder Tisch ‘Windenergie’

Lange Zeit war es ruhig rund um die Windkraftanlage auf der Marke geworden. Betreiber und Projektierer hielten sich bedeckt, nur die Bürgerinitiative DIALOG|WINDKRAFT berichtete und konnte sich zeitweise ebenfalls nur auf bruchstückhafte Informationen verlassen.
Diese Situation nahm Freden Hat’s zum Anlass, zum “runden Tisch Windkraft” einzuladen. Der Einladung von Wolfgang Mootz (Freden hat’s) folgten dabei Theo Stracke (Solarenergie Freden / Projektierer), Volker Zündorf (ÜWL / Netzbetreiber & Windenergie Leinetal / Anlagenbetreiber), Annabell & Oliver Ulrich (Sandgrube und Bauunternehmen Ulrichbau, Landverpächter), Steffi Stumpe & Andreas Gundelach (Bürgerinitiative DIALOG|WINDKRAFT) und Martin Lichtenberg (Freden hat’s).
In einem konstruktiven Gespräch tauschten sich die Parteien über aktuelle Stände rund um Betrieb und Planungen auf der Marke aus.
Zu Beginn beschrieb Andreas Gundelach, dass die BI die zurückhaltende Informationspolitik der Projektierer und Betreiber kritisiert. Die Windkraftanlage ist für viele Bewohner im Leinebergland optisch allgegenwärtig. Besonders im Falle des aktuellen und weit sichtbaren Stillstands über mehrere Monate hinweg stellen sich Fragen, die lange Zeit nicht beantwortet wurden. Umso mehr begrüßt die BI die Initiative von Freden hat’s und den gut gewählten Teilnehmerkreis.
Das wichtigste Thema war natürlich der derzeitige Stillstand der Anlage: Die Anlage wartet nach Angaben von Volker Zündorf weiterhin auf die Reparatur durch den Hersteller VENSYS. Der habe Probleme, einen Termin für den benötigten Schwerlastkran zu bekommen. Auf Grund der vielen Windkraftbaustellen sind die wenigen Spezialgeräte über Monate hinweg ausgebucht. Solange die Flügel von “Freden 1” nicht repariert sind, bleibt die Anlage weiterhin stehen bzw. befindet sich zum Schutz des Getriebes im “Trudelbetrieb”. Es deutet alles darauf hin, dass eine komplette Charge an Flügeln fehlerhaft gewesen sei, was u.a. auch die notwendig gewordene Reparatur an den Anlagen bei Dassel erkläre. Volker Zündorf stellte abschließend noch einmal deutlich klar: Solange die Anlage durch Verschulden von VENSYS steht, zahlt der Hersteller eine Entschädigung in Höhe der entgangenen Erträge an die Betreiber, so dass zumindest finanziell kein Nachteil entstehe.
Oliver Ulrich beschrieb die Situation der Zuwegung: Aktuell sei der Weg weiterhin tragfähig, allerdings ist es richtig, dass der fortschreitende Sandabbau den Weg in absehbarer Zeit zum Ausfall des Weges führen wird. Ob der Sandabbau auf das Anrücken des Krans warten kann oder direkt ein neuer Weg gebaut werden müsse, muss noch zwischen ihm und den Betreibern geklärt werden. Volker Zündorf ergänzte, dass von Anfang an geplant gewesen sei, den vorhandenen Weg nur für den Aufbau der Anlage zu nutzen und später den Weg umzulegen. Für eine endgültige Zuwegung waren zum Zeitpunkt des Anlagenbaus noch nicht alle Grundstücksrechte gesichert.
Auch zum Thema Rotmilan und Mäusebussard tauschten sich die Teilnehmer aus. Es ist schwer, die vorhandenen Studien gegeneinander abzuwägen, gab Theo Stracke zu bedenken. Es gibt zu jeder Studie eine Gegenstudie. Geht die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte PROGRESS-Studie z.B. von einem partiellen Tötungsrisiko für Rotmilane und insbesondere Mäusebussarde aus, sieht das windkraftnahe Ingenieurbüro KohleNussbaum den Bestand als ungefährdet und wachsend an. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) widerspricht der KohleNussbaum-Studie direkt nach Veröffentlichung mit einem mehrseitigen Faktenpapier. Und so geht es immer weiter. Unbestritten ist hingegen, dass es Vorkommen von Rotmilanen und Mäusebussarden rund um Selter, Marke und Lieth gibt.
Ebenso unterliegen Fledermäuse einem erhöhten Tötungsrisiko bei Windkraftanlagen. Sie erleiden auf Grund der Druckschwankungen beim Durchfliegen ein Barotrauma – ihre Lungen und inneren Organe platzen. Um das künftig zu verhindern, zeichnet ein “BatCorder” die Ultraschall-Rufe der Tiere auf. Daraus lassen sich Art und Flugzeiten der Tiere ermitteln und ein “Abschaltplan” erstellt, der vorgibt, bei welchen Umweltbedingungen (Jahreszeit, Windrichtung usw.) “Freden 1” künftig zum Schutz der Tiere vom Netz gehen wird. Der Rotor kann binnen 30 Sekunden abgebremst werden. Steht er, besteht keine Gefahr mehr für die Tiere.
Alle Teilnehmer bedankten sich zum Abschluss des Treffens für den konstruktiven Austausch und waren sich einig, dass diese Art des Austauschs fortgeführt werden sollte. Das nächste Treffen ist zum Jahresende geplant.

“Der Kampf um die Windräder” (TV-Tipp)

Ein Rechercheteam von “Report Mainz” berichtete am 01. August (21:45) in der ARD über “die Auswächse der Boombranche”. Nach Angabe des SWR untersucht die Dokumentation die “Frontlinien des Kamps um Windräder”. Zu Wort kommt u.a. der Windkraft-Kritiker Enoch zu Guttenberg.

Ein klarer TV-Tipp für alle Kritiker und Befürworter der aktuellen Entwicklung rund um die Windenergie.

LINK| Ankündigung auf der Internetseite des SWR
LINK| Videomitschnitt in der Mediathek der ARD/Das Erste
LINK| Bericht zur Sendung beim SWR

Andreas Kieling: 15 Minuten unter dem Windrad

Andreas Kieling ist einer (wenn nicht der) bekannteste lebende Tierfilmer in Deutschand. Seine Beiträge laufen u.a. in ARD (Expedition in Tierreich),  ZDF (Terra X) und WDR.

In einem aktuellen Video berichtet er über einen Besuch an Windkraftanlagen. Während des Aufenthalts in der Nähe von WKAs entdeckte sein Hund in einem Zeitraum von nur 15 Minuten gleich sechs Totfunde (Vögel/Vogelschlag und Fledermäuse/Barotrauma) auf.

Bundesverdienstkreuzträger Kieling griff zur Kamera, entstanden ist ein fünfminütiges Video, dass seit dem 14.07.2016 auf Youtube zu sehen ist:

https://www.youtube.com/watch?v=TYF2QAp9X9w

Damit reiht sich Kieling in die Liste der Umweltschützer ein, die das beschwichtigen von Gefahren der Windkraftanlagen auf die heimische Tierwelt kritisieren bzw. eine bessere und nachhaltiger Planung fordern. Auch Reinhold Messner (einer der erfolgreichsten Bergsteiger weltweit) gab schon vor einiger Zeit zu bedenken: “Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was man eigentlich durch sie bewahren will: DIE NATUR.”

 

 

 

Bedrohte Rotmilane

Die Windkraftanlage auf der Marke steht weiterhin still. Der Stillstand während der Brutzeit kommt vor allem den geschützten Greifvögeln in den Wäldern und Naturschutzgebieten rund um die Anlage zu Gute. Die Uni Bielefeld und weitere Projektpartner haben, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, unter dem Titel “PROGRESS”* eine systematische Auswertung von Totfunden veröffentlicht:

Rechnerisch kommen pro Jahr und Windkraftanlage u.a. 0,48  Mäusebussarde und 0,12 Rotmilane ums Leben. Bei 25.980 installierten Anlagen in Deutschland* sind das bis zu 12.470 tote Mäusebussarde und über 3.100 tote Rotmilane pro Jahr. Weltweit gibt es ca. 29.000 Brutpaare des Rotmilans, 3.100 tote Tiere betreffen somit 10% des weltweiten Brutpaarbestands – pro Jahr alleine in Deutschland. Diese Verluste sind vor allem in der Brutzeit tragisch, denn der Tot eines Elterntiers führt ggf. auch zum Sterben der Jungtiere.

Rund um die Marke sind laut Umweltgutachten* und unseren eigenen Beobachtungen diverse Horste (Nester) von Greifvögeln und anderen geschützten Arten zu finden. Einige Horste scheinen auch in diesem Jahr bebrütet zu werden. Um so wichtiger ist es, gemeinsam für den Schutz der geschützten Tiere einzustehen, die es nicht immer leicht haben:

Nachdem die Windkraftanlage “Freden1” im Juni 2014 während der Brut- und Nistzeit (01.04. – 15.07.) errichtet wurde, folgte im März 2015 die scheinbar ungenehmigte Rodung der Streuobstwiese auf der Marke. Diese Wiese mit ihrem Baumbestand diente bis dahin als Ausgleichsfläche für ein Neubaugebiet in Alfeld und wurden nun vor kurzem wieder neu gepflanzt. Laut Planungsunterlagen war an dieser Stelle die Errichtung der Windkraftanlage “Freden3” geplant*. Im Winter 2015 brach nach vielen stabilen Jahren ausgerechnet die Klippe in der Sandkuhle ab, in der im Sommer die unter Naturschutz stehenden Uferschwalben ihre Heimat hatten*. Und im Frühjahr 2016 wurden massive Störungen eines Rotmilanhorstes beobachtet, z.T. auch gehört und von verschiedenen Personen an uns gemeldet.

In Deutschland leben bzw. brüten ca. 60% des Weltbestandes an Rotmilanen*. Entsprechend groß ist unsere Verantwortung für die geschützte Tierart, die, anders als auf dem Informationsabend zu Freden1 berichtet, weiterhin unter Naturschutz steht*. Dabei kommen die Zugvögel in der Regel ab Februar in ihre Reviere zurück und beginnen im März mit der Balz. Entsprechend ist es wichtig, sich vor allem im April und Anfang Mai ruhig in Wäldern und besonders an Waldrändern zu verhalten. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass die brütenden Vögel aufgescheucht werden, was für die Tiere einerseits sehr viel Energie kostet und andererseits die Eier auskühlen lässt. Das bedeutet den Tod der noch nicht geschlüpften Rotmilanküken – besonders bei noch sehr niedrigen Morgentemperaturen. Lokale Populationen können dadurch extrem gefährdet werden.

Der Rotmilan ist bei Windkraftprojekten oft ein Hindernis oder sogar ein KO-Kriterium, wenn sich ein Horst näher als 1.500 m am geplanten Standort einer Windkraftanlage befindet*. Aber auch der Flugkorridor zum Horst oder sogar das Nahrungshabitat in dem der Rotmilan oder andere Greifvögel ihre Beute jagen, kann für einen Projektierer von Windkraftanlagen ungünstig liegen. Vor diesem Hintergrund ist schon oft ein Horst plötzlich “verschwunden” und auch uns liegt dazu ein Verdacht aus dem Wispensteiner Raum von 2014 vor.

Anstatt Horste einfach zu zerstören, werden häufig in Kenntnis des obigen Sachverhaltes Horstbäume unauffällig schlicht “abgeklopft”. Das Abklopfen des Horstbaumes ist eine gängige Methode, um den brütenden Vogel zum Abflug vom Horst zu bewegen. Ziel des Störenden ist es, dass der Altvogel nicht wieder zum Horst zurückkehrt und die Eier erkalten. Frische Schlagspuren sind meist deutlich z.B. durch Abdrücke von Metallstangen in der Rinde, Trittspuren oder Reste von Fasern genutzter Äste zu erkennen. Selbst Trampelpfade durch häufiges Besuchen des Horstbaums lassen sich oftmals ausmachen.*

Nicht nur die Zerstörung von Rotmilan-Horsten im Rahmen der Planung von Windkraftanlagen, sondern auch das Stören und erst recht das vorsätzliche Stören von Greifvögeln stellt eine Straftat dar, die mit bis zu 5 Jahren Gefängnis und/oder bis zu 50.000 € Geldstrafe geahndet werden kann!* Abgesehen davon befreit eine Bestrafung nicht von der Pflicht einer weiteren mehrjährigen Beobachtung betroffener Horste vor dem Bau weiterer Anlagen. Damit wäre eine solche Störung auch zur Erlangung einer Baugenehmigung wenig zielführend. Schon das mutwillige häufige Befahren von Waldwegen in der Nähe von Greifvogelhorsten kann übrigens bei Sachkenntnis als strafbarer Tatbestand angesehen werden.

Bei Verdacht auf eine illegale Verfolgung von Greifvögeln sollte daher sofort die Polizei eingeschaltet und einen entsprechenden Naturschutzverband  informiert werden. Wir empfehlen hier den “Ornithologischen Verein zu Hildesheim” (OVH) in dem auch der in Freden bekannte Vogelexperte Mr. Alistair Hill aktives Vorstandsmitglied ist. Gerne nehmen natürlich auch wir als BI Informationen entgegen, prüfen sie und leiten sie entsprechend weiter.


Hinweis zum Abdruck im Mitteilungsblatt

Im Fredener Mitteilungsblatt 05/2016 wurde unser Artikel mit zwei inhaltsverfremdenen Änderungen abgedruckt. Hier scheint der Fehlerteufel beim Verlag zugeschlagen zu haben. Richtig ist (wie hier im Artikel aufgeführt), dass Rotmilane “geschützte Tiere” (und nicht “geschätzte Tiere”) sind. Zudem dürfen Windkraftanlagen nicht “näher als 1.500 Meter” an einem Horst stehen und nicht “höher als 1.500 Meter”. Beide Begriffe waren im eingereichten Manuskript richtig geschrieben.


Quellen zu unserem Artikel

Informationen zum Schutzstatus von Vögeln gibt die
WISIA-Datenbank des Bundesamts für Naturschutz:

Informationen zum Bestand des Rotmilans:
Artikel zum Rotmilan auf WIKIPEDIA

Die PROGRESS-Studie und Begleitmaterial:
http://bioconsult-sh.de/de/projekte/progress/

Anzahl installierter Windkraftanlagen in 2015 auf der offiziellen Seite des Bundesverbands Windenergie: https://www.wind-energie.de/infocenter/statistiken/deutschland/windenergieanlagen-deutschland

Empfohlene Abstände von Horsten zu Windkraftanlagen im “Helgoländer Papier” der “Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten”:
http://www.vogelschutzwarten.de/windenergie.htm
(Download für Niedersachsen im unteren Teil der Seite)

Horstpositionen: Im Umweltgutachten zu “Freden1”. Veröffentlichung im Rahmen der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Antrags zur F-Planänderung im Herbst 2015. Zusätzlich eigene Beobachtung, Meldungen und Fotos.

Bruthöhlen der Uferschwalben: Uns liegen Fotos der Höhlen und der späteren Abbruchkanten vor.

Bestände und Rückgänge des Greifvogelbestands, Straftatbestände:
http://www.greifvogelverfolgung.de/content/leitfaden-greifvogelverfolgung
http://www.greifvogelverfolgung.de/content/veroeffentlichungen

Rotmilan als Hindernis für den Windkraftausbau:
https://www.nabu.de/news/2015/12/19931.html
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/energie/erneuerbare-energien-energiewende/windenergie/06358.html

Fotos von Rotmilanen (im Artikel nicht genutzt)
http://www.brodowski-fotografie.de/beobachtungen/rotmilan-bilder.html

“Geschätzt geschützt”

Im Mitteilungsblatt Mai hat erneut der Fehlerteufel des Verlages zugeschlagen. Aus “geschützten Tieren” wurden im gesamten Text “geschätzte Tiere”. Natürlich schätzen wir Rotmilane und Mäusebussarde sehr. Richtig wäre allerdings in allen Sätzen “geschützt” gewesen – und so hatten wir unsere Manuskripte auch eingereicht.

Zusätzlich wurde unser Satz rund um die Mindestabstände geändert. Rotmilanhorste können ein Problem für Projektierer werden, wenn sie näher als 1.500 Meter zu einer geplanten Anlage stehen und nicht, wenn sie höher als 1.500 Meter zur Anlage stehen.

Wie die Fehler in den Text gekommen sind, ist für uns bislang nicht nachvollziehbar. Im übermittelten Text waren beide Begriffe richtig geschrieben. Wir stehen bereits mit Verlag und Gemeinde in Kontakt um die ungewollten (und fehlerhaften) Änderungen zu klären.

Zusätzlich wurden die Berichte in falscher Reihenfolge abgedruckt, so dass sich der eigentlich zweite Bericht (samt seines Anschlusssatzes) nun vor dem ersten befindet.

Grundsätzlich begrüßen wir es, dass die Gemeinde in ihrem Mitteilungsblatt allen Vereinen und Verbänden die Möglichkeit gibt, aktiv zu informieren und danken auch an dieser Stelle sehr herzlich dafür. Die Sinnverfremdung im Druck (die wir allerdings ausdrücklich beim Verlag vermuten) ist hingegen unglücklich.

Das Mitteilungsblatt ist bereits online verfügbar und wird in dieser Woche in Freden verteilt:
https://archiv.wittich.de/epapers/5325/2016/5/

Freden1 steht weiter – fehlende Zuwegungen?

Nach seinem Einsatz in Dassel (im April 2014) sollte der dort genutzte Schwerlastkran nach Freden weiter reisen. In Dassel stehen zwei zeitgleich mit “Freden1” errichtete Anlagen des gleichen Herstellers (VENSYS). Bei beiden kam es ebenfalls kürzlich zu Rotorschäden. Bundesweit sollen weitere Anlagen mit gleichem Bauzeitraum betroffen sein. Auch die Betreiber von “Freden1” gaben Mitte April uns gegenüber an, dass bereits Ende April der Schaden in Freden behoben sein sollte.

Auf der Marke tut sich bisher nichts.

Nach uns vorliegenden Informationen scheint der (extra für “Freden1” von der Gemeinde gekaufte und nachträglich ausgebaute) Zufahrtsweg nicht mehr in der Lage zu sein, die Tonnage des Schwerlastkrans zu tragen. Grund dafür könnte der weiter fortgeschrittene Sandabbau sein. Inoffiziellen Hinweisen zu Folge soll nun eine neue Zufahrt bzw. ein Stichweg von der Kreisstraße aus gebaut werden. Über welches Gelände das erfolgen kann oder ein Bautermin ist uns bisher nicht bekannt.

Interessant allerdings, dass in Dassel nur eine der beiden Anlagen repariert werden konnte. Betroffene Eigentümer weigern sich dort (inzwischen mit einstweiliger Verfügung), die Zufahrt des Schwerlastkrans zur zweiten Anlage über ihre Grundstücke zu erlauben.

Festzuhalten ist, dass Freden1 nun 3 Monate steht und sich entgangene Erträge für die Betreiber auf knapp 80.000 €* summiert haben müssten. Dass VENSYS als Hersteller der Anlage diese Kosten voll übernimmt ist unwahrscheinlich. Denn schließlich hat VENSYS wohl den Flügelschaden, nicht aber die fehlende Zuwegung zu verantworten.

Für uns stellt sich einmal mehr die Frage nach Planungsfehlern während der Projektierung zu “Freden1” und ggf. weiterer Bauvorhaben ähnlicher Anlagen auf der Marke.


Quellen zu diesem Artikel

Defekte Anlagen in Dassel/Portenhagen:
Augenzeugenberichte und Recherchen vor Ort inkl. Fotomaterial.

Entgangener Umsatz in drei Monaten:
Ertragszahlen aus 2014 (ca. 316.930 € lt. unserer Berechnung im April 2016), 3 Monate daraus entsprechen 3/12 bzw. 1/4. Läuft die Anlage inzwischen eigentlich stabiler, wäre der fehlende Ertrag entsprechend größer.